Weltmeisterschaft im Natural-Bodybuilding/ WNBF/INBF Wettkampfbericht

WNBF/INBF Wettkampbericht zur WM 2010
von Berend Breitenstein

Am 13. November 2010 ging die WNBF/INBF in New York City / USA über die Bühne. Hier kommt nun der Report rund um den Wettkampf und zu den hochdramatischen, ja historischen Ereignissen, die sich an diesem milden Herbsttag in der Martin Luther King High School abspielten.

Mittwoch, 10. November 2010
Meine Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika begann am Mittwoch, den 10.11.2010. Armin Memic und seine Schwester Amina hatten sich dafür entschieden, bereits einen Tag vorher anzureisen, während Ilona Gehringer und ihr Lebensgefährte Ulf es vorzogen, am Donnerstag, den 11.11.2010 zum Deutschen Team zu stoßen. Fabian Buchert begann seine große Reise von Heidelberg nach New York gemeinsam mit seinem Vater und seinem Freund und Trainer Nicolas Rojas ebenfalls am Mittwoch, nahm aber einen anderen Flieger als ich.
An Bord des Fluges Continental 075 von Hamburg zum Flughafen Newark/New York befanden sich außer mir also noch Thomas Köhn und sein Betreuer Olaf Peters sowie Henry Kluttig und seine Lebensgefährtin die dafür sorgte, dass für Henry alles nach Plan lief. Die 8,5 Stunden Flugzeit verbrachten wir aller voller Vorfreude und Spannung auf die Veranstaltung. In New York angekommen, nahmen wir uns ein gemeinsames Taxi, das uns in unsere jeweiligen Hotels brachte. Vom Mittwoch blieb dann noch der Nachmittag und Abend zum Einleben in New York und der Tag der Entscheidung näherte sich nun mit großen Schritten.

Donnerstag, 11. November 2010:
Für mich begann der Tag mit einem Training im „Steel-Gym“. Ein wirklich großartiges Studio, das 24 Stunden geöffnet hat, das mit allen Geräten und Freihanteln ausgestattet ist, die sich ein Bodybuilder wünscht und indem eine phantastische Hardcore-Atmosphäre herrscht. Begleitet von dröhnender Rockmusik ließ ich von 6:30 Uhr bis 8:00 Uhr das Eisen glühen, denn für den 20. November hatte sich mein Partner BMS für einen Videodreh zu seiner neuen Produktlinie „Pro-Hardcore-Line“ angekündigt. Da hieß es für mich natürlich, weiter gut im Training zu bleiben und auf all die kulinarischen Leckereien zu verzichten, die in jeder Ecke des Big Apple zum Naschen verleiten.

Die Geschwister Memic, Amina und Armin

Kurz vor Ende des Trainings kamen dann Armin und seine Schwester Amina dazu, die als einzige des Teams meiner Einladung zu einem Training in diesem Weltklasse-Studio und einem anschließenden, gemeinsamen Frühstück folgten. Aber natürlich hat jeder Athlet seine eigene Strategie bezüglich des Trainings in den letzten Tagen vor dem Wettkampf.

Nach der SMS, die mir Armin am Vortag schickte und die keinen guten Eindruck über seine körperliche und mentale Verfassung vermittelte, wirkte er auf mich an diesem frühen Donnerstag Morgen schon zuversichtlicher. Bei einem Blick auf seine Form machte ich mir keine Gedanken darüber, dass er sich am Sonnabend in sehr guter Form auf der Bühne präsentieren würde.

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Armin zeigt seine unglaublichen Beine!

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Daumen hoch – alles sah gut aus.

Bis zum Wiegen, dem Lügendetektor-Test (jeder WNBF Pro wird vor dem Wettkampf erneut getestet, unabhängig davon, ob er bereits im Vorfeld einen Test bei der GNBF e.V. Deutschen Meisterschaft absolviert hat) und dem Einschreiben von Armin für den Wettkampf, das für 11:00 Uhr angesetzt war, blieb noch etwas Zeit. Armin, Amina und ich frühstückten zusammen und anschließend machten wir uns auf den Weg zum „New Yorker“ – Hotel, in dem das Einschreibe-Prozedere stattfand. Wie nicht anders zu erwarten, gab es für Armin keine Probleme beim Lügendetektor-Test. Eine Überraschung war allerdings, dass er knapp über 90 kg Körpergewicht auf die Waage brachte und damit im Profi-Schwergewicht an den Start gehen würde.

Freitag, 12. November 2010

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Armins Rückenansicht ca. 48 Stunden vor dem Wettkampf

Wie am Tage zuvor, kamen Armin und Amina am frühen Morgen wieder ins „Steel-Gym“, in dem ich meine zweite Trainingseinheit absolvierte. Armin war nun noch zuversichtlicher und man konnte davon ausgehen, dass er jetzt, nachdem er bereits seit Donnerstag mit dem Kohlenhydrat-Aufladen begonnen hatte, am Wettkampftag in Top-Form sein würde. In der Tat sah alles gut aus. Armin zeigte mir ein paar Posen und die Form passte soweit.

Die Muskelhärte- und Fülle waren schon deutlich besser ausgeprägt als noch einen Tag zuvor. Wenn jetzt nichts mehr unvorhergesehenes passierte, dann würde Armin am nächsten Tag als der amtierende GNBF e.V. Deutsche Schwergewichts-Champion in sehr guter Verfassung vor das Publikum und die Jury der WNBF Weltmeisterschaft treten.

In meiner Funktion als GNBF e.V. Präsident und WNBF Europe Chairman stand für mich dann um 12:00 Uhr ein Treffen mit der WNBF/INBF – Führungsriege und den Wettkampfveranstaltern aus den USA und Europa auf dem Programm. Bei diesem Treffen ging es u.a. darum, wie sich das das Natural Bodybuilding in den USA entwickelt und um die zukünftige Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa. Bei meiner Ansprache berichtete ich u.a. auch über die äußerst erfolgreichen nationalen Meisterschaften der GNBF e.V., der SNBF und der NBFI in 2010. Darüber hinaus war es mir natürlich auch eine große Freude, die Nachricht verkünden zu können, dass sich mit Österreich ein weiteres europäisches Land der WNBF Europe anschließen wird (mehr dazu in Kürze) und darüber zu berichten, dass für das Jahr 2011 der erste WNBF Europe Pro Cup geplant ist, für den alle über die einzelnen Landesverbände qualifizierten WNBF Profis startberechtigt sind.

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WNBF/INBF-Meeting am 12.10.2010, v.l.n.r.: Rich Fitter (WNBF/INBF Chairman und Chefredakteur NB&F USA), Charlie Carollo (Vize Präsident WNBF/INBF), Cheh Low (Gründer und Präsident WNBF/INBF – Inhaber von CHELO Publishing), Berend Breitenstein (GNBF e.V. Gründer und Präsident/WNBF Europe Chairman und Chefredakteur NB&F Deutschland)

Nach dem Treffen mit der WNBF/INBF ging es dann gleich weiter ins Hotel „New Yorker“ zum Einschreiben der Amateur-Athleten des Deutschen Nationalteams. In der Lobby des Hotels waren dann auch Ilona, Henry und Thomas anwesend, nur Fabian fehlte. Aufgrund seines Fehlens wurde ich schon etwas nervös, zumal auch eine Kontaktaufnahme über Handy scheiterte, denn wie ich später erfahren sollte, hatte Fabian sein Handy in Frankfurt liegengelassen – aber alles kein Problem, da sind die Amerikaner flexibel und Fabians Termin zum Wiegen und Einschreiben wurde einfach auf Sonnabend früh verlegt. Das Einschreiben der anderen Athleten ging wie geplant über die Bühne. Henrys Körpergewicht resultierte in einem Start im Leichtgewicht und Thomas erfüllte, neben seinem Start in der Masters-Klasse, das Gewichtslimit für das Feld der Mittelgewichtsklasse.

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Kurz vor dem Einschreiben, v.l.n.r:
Ilona Gehringer, Thomas Köhn,
Henry Kluttig und Berend Breitenstein

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Ilona Gehringer bei der Anmeldung
Als nächster und abschließender Termin nach dem Einschreiben von Ilona, Henry und Thomas folgte um 19:00 das Pro-Meeting, zu dem ich Armin natürlich begleitete.

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Armin mitten drin beim Pro-Meeting

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Nancy Andrews (dreifache WNBF Pro Weltmeisterin/US-Wettkampfpromoterin und Juryvorsitzende) erklärte den Profis noch einmal den Ablauf des Wettkampfes und beantwortete alle diesbezüglichen Fragen.

Es war schon ein tolles Gefühl, viele der Athleten und Athletinnen, die die Seiten des Magazins Natural Bodybuilding & Fitness füllen, live zu sehen und die Atmosphäre des Meetings zu fühlen.

Armin konnte es gar nicht richtig fassen, tatsächlich ein Teil dieses Geschehens zu sein und ich freute mich für ihn, wusste ich doch aus meiner eigenen Erfahrung als WNBF Pro, wie sich diese Momente so kurz vor dem großen Tag anfühlen, ein Gefühl, das wohl am ehesten mit einer Mischung aus Vorfreude, Spannung und Nervosität zu beschreiben ist.
Schließlich neigte sich der Vorwettkampftag seinem Ende zu. Nicht mehr lange und die weltweit besten Natural Bodybuilder des Jahres 2010 würden die Bühne betreten.

Sonnabend, 13. November 2010
Ich wusste, dass es ein langer Tag werden würde, aber dass diese Meisterschaft so lange gehen würde, dass hatte ich auch noch nicht erlebt. Um 8:00 Uhr traf ich am Wettkampfort, der Martin-Luther High School ein. Im Eingangsbereich herrschte schon reges Treiben und hektische Betriebsamkeit machte sich breit. Immerhin nahmen an der diesjährigen WNBF/INBF – Weltmeisterschaft über 200 Athleten/innen teil und das stellte für die Organisatoren natürlich eine große Herausforderung dar. Für 8:15 Uhr war ein Treffen angesetzt, bei dem die Juroren der Profi-Klassen zu letzten Unterweisungen geladen wurden. Da ich die ehrenvolle Aufgabe übernehmen durfte, als erster Europäer die Profis zu werten, war es natürlich geplant, dass ich an diesem Termin teilnehme. Aber bei einem Blick auf Armin und in Anbetracht der Tatsache, dass Fabian noch nicht erschienen war, war mir klar, dass ich Charlie Carollo, den Vizepräsidenten der WNBF/INBF darüber informieren musste, dass ich auf die Tätigkeit als Juror verzichten müsste, damit ich mich ganz um das GNBF e.V. – Team kümmern konnte. Ich wusste, dass das kein Problem sein würde, denn für die Tätigkeit als Profi-Juror bot sich kurzfristig immer ausreichend Ersatz an. Charlie sagte zu mir: „No Problem, Berend – I can fix it“. Die Sache war geklärt und ich konnte mich von nun an ganz dem GNBF e.V. Nationalteam und meiner Tätigkeit als Fotograf und Berichterstatter der WM 2010 widmen. Kaum hatte ich Charlie davon unterrichtet, dass ich auf den Juryplatz verzichte, trafen auch schon Fabian, sein Vater und Fabians Betreuer Nicolas ein. Wir sprachen kurz über die Situation und dann ging es auch schon zum Wiegen. Fabian kam ohne Probleme in das von ihm angestrebte Leicht-Schwergewicht. Ich fragte ihn, wie er sich fühle und Fabian sagte: „Ganz gut – jetzt noch ein wenig weiterladen und dann passt das schon“. Einen Finalplatz traute ich dem dreifachen GNBF e.V. Juniorensieger in jedem Fall zu, allerdings wusste ich nicht, welche umwerfende Form sich unter seinem Trainingsanzug verbarg…

Backstage war jetzt reichlich Betrieb und der Geruch von Posingcreme lag in der Luft. Die Anspannung der Athleten/innen war deutlich zu spüren und Energie erfüllte die Räumlichkeiten. Jeder war nun hochkonzentriert, die letzten Feinheiten seines Auftritts optimal zu erledigen – sitzt die Posinghose, stimmt die Bräune und bekomme ich einen guten Pump in die Muskulatur? Das sind nur einige der Fragen, die einem Wettkämpfer vor dem Moment der Wahrheit durch den Kopf gehen. Nachfolgend einige Backstage Impressionen:

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Ulf und Ilona

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Armin und Berend

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Thomas

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Wem gehören welche Beine? Lösung:
Armin (links) und Fabian (rechts)

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Der Bühnenhintergrund der WM

Das Bühnenbild der diesjährigen WM war, nun ja, wie soll ich es ausdrücken? Stimmungsvoll und mal etwas anderes, allerdings farblich sehr unruhig, wodurch ein klarer Kontrast zu den Athleten schwierig wurde.

Dann wurde es ernst. Die Wertungen innerhalb der einzelnen Klassen begannen. Im Folgenden möchte ich meine Eindrücke schildern, die mir jeder unserer WM-Teilnehmer vermittelte:

Armin Memic:
Als erster Deutscher GNBF e.V. Athlet bei der WM 2010, betrat Armin die Bühne bei den Profis. Aber bereits beim ersten Blick auf das Line up seiner Klasse wurde deutlich, dass irgendetwas in den letzten 24 Stunden schiefgelaufen sein musste. Von der guten Form noch einen Tag zuvor war nicht mehr viel zu sehen. Natürlich sind Armins Oberschenkel immer Weltklasse, aber sein Oberkörper war nicht prall und hart sondern leider flach und relativ weich. Es tat mir in der Seele weh, einen unserer Deutschen Champions in solcher Verfassung gegen die weltweit besten Schwergewichtler im Natural Bodybuilding auf der Bühne zu sehen und für ihn tat es mir am meisten leid. Ich wusste, wie hart er in den letzten Monaten für diesen Moment gearbeitet hatte und fühlte mit ihm, wie er da oben stand und eine tolle kämpferische Leistung bot. Dafür gebührt Armin unser großer Respekt und auch dafür, dass er den Sprung zu den Profis wagte. Ich habe ihn in dieser Entscheidung immer unterstützt, denn er hat aus meiner Sicht das Potenzial dafür, in die Top 10 zu kommen. Dieser 13. November 2010 war einfach nicht Armins Tag und aus meiner Sicht sollte er seinen Auftritt als Lernerfahrung abhaken.

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Line up in der WNBF Schwergewichtsklasse
mit Armin (ganz links)

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Armin im WNBF Line up der
Schwergewichtsklasse (4. Von rechts)

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Line up im Schwergewicht mit Armin (3. Von rechts)

Nach mir, Uwe Brucker und Frank Günther war Armin erst der dritte deutsche Athlet, der sein Glück als Profi versuchte – abgesehen natürlich von der unvergleichlichen Sabine Streubel, die im Jahr 2009 den WNBF Profi-Sieg schaffte. Also Armin, Kopf hoch und bleib positiv – so wie ich Dich in den Tagen in New York kennen und schätzen gelernt habe, weiß ich was für ein feiner Kerl Du bist und an Deinen Fähigkeiten als Natural Bodybuilder gibt es für mich keinen Zweifel. Alle diejenigen, die sich nun eventuell negativ über ihn in dem einen oder anderen Online-Forum äußern sollten, sei gesagt, dass Worte eine Sache sind, aber Taten für sich sprechen! Armin ist ein echter Champ, der zurückkehren wird, davon bin ich felsenfest überzeugt! Keep going, Armin.

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Die vier besten WNBF Schwergewichtler 2010 v.l.n.r.: Alun Davis (4.), Hayler Cayli (2.), Martin Daniels (1. und Pro Gesamtsieger), Rodney Helaire (3.)

Ilona Gehringer:
Ilonas Leistung ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Mit ihren 58 Jahren ist diese Weltmeisterin im Kraftdreikampf und amtierende GNBF e.V. Deutsche Meisterin im Natural Bodybuilding für mich ein Phänomen. Wo hat die Welt so eine Athletin in einem solchem Alter schon gesehen? Da es bei der INBF-WM im Frauen Bodybuilding keine Altersklassen gibt, kam für Ilona nichts anderes in Frage, als der Start in der offenen Klasse. Kurz vor Wettkampfbeginn sagte Ilonas Lebensgefährte Ulf zu mir: „Wetten wir, dass Ilona unter die ersten drei kommt?“ Zu diesem Zeitpunkt war ich davon noch nicht so überzeugt, denn keiner von uns wusste, wie sich die Konkurrenz in der Frauen Bodybuilding Klasse präsentieren würde. Dann betraten die sieben Teilnehmerinnen die Bühne. Ilona gefiel mir gut, ich hätte sie auf den ersten Blick in jedem Fall unter den Top 5 gesehen. Im Verlauf des Wettkampfes steigerte sie sich immer mehr – ihre Härte wurde zunehmend besser, sie zeigte eine tolle Bühnenpräsenz und eine großartige Ausstrahlung. Das blieb auch der Jury nicht verborgen und Ilona wurde Stück für Stück immer näher zur Bühnenmitte platziert. Ein großartiger 3. Platz war der verdiente Lohn ihrer tollen Leistung, vor der jeder nur den Hut ziehen kann! Und Ulf behielt mit seiner Prognose bezüglich Ilonas Platzierung Recht…einfach klasse!

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Doppelbizeps in der INBF Frauen Bodybuilding Klasse mit Ilona (2. Von links)

Thomas Köhn:
Der GNBF e.V. Masters-Champion von 2008 präsentierte sich in ebenfalls in guter bis sehr guter Form. Sein Trainer Olaf Peters, selbst ein äußerst erfolgreicher Wettkampfbodybuilder in einem anderen Verband, hatte ganze Arbeit geleistet. Thomas war voll und prall, sein Markenzeichen, die „Kanonenkugel-Schultern“ und die von ihm insgesamt präsentierte kompakte und gut konditionierte Muskelmasse fielen mir schon im Backstage Bereich positiv auf. Dieser Eindruck sollte sich auf der Bühne noch verstärken. Er wurde von der Jury öfter umpositioniert und mit den anderen Teilnehmern, sowohl der Masters- als auch der Mittelgewichtsklasse, verglichen. Aus meiner Sicht fehlte nur ein wenig Härte und Thomas hätte die ganz große Sensation schaffen können und sich nach seiner erst vierjährigen Trainingserfahrung bei seinem ersten Start bei einer WM unter die ersten drei platzieren können. Sein vierter Platz in der Masters A Klasse (von 7 Teilnehmern) und der achte Platz von 11 startenden Athleten im Mittelgewicht war der verdiente und gerechte Lohn für Thomas gute Leistung an diesem Tag.

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Thomas im Line up der Masters Klasse
(4. von links)

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Line up der Masters Klasse mit Thomas
(3. von rechts)

Körperlich war Thomas also durchaus gut vorbereitet – allerdings galt das weniger für seine Psyche. Leider war er sehr darauf aus, das zu betonen, was nicht so gut lief im Umfeld der WM und am Tag des Wettkampfes. Ich schreibe das, weil ich nichts beschönigen möchte, sondern eine klare und sachliche Analyse des Wettkampfes und unserer Athleten geben möchte. Als wahrer Champion muss man mit Verzögerungen im Wettkampfablauf einfach umgehen können. Abschließend möchte ich dazu nur so viel sagen, dass es jedem freigestellt ist, die GNBF e.V. oder die INBF zu verlassen, wenn er das möchte und das nicht nur das gesehen werden sollte, was durchaus verbesserungsfähig ist (keiner ist perfekt), sondern auch das Gute und die großartige Möglichkeit dafür, an einer WM teilnehmen zu können, geschätzt werden sollte. Auch sollte anerkannt werden, was die GNBF e.V. und die WNBF/INBF ihren Athleten bietet.

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v.l.n.r.: Thomas Köhn, sein Betreuer Olaf Peters und Berend Breitenstein

Henry Kluttig:
Die Tatsache, dass der GNBF e.V. Deutsche Leichtgewichtsmeister von 2009 und Vize-Meister von 2010 in diesem hochkarätigen Feld und mit 15 Athleten auch zahlenmäßig stark besetztem Feld nicht das Finale der besten 5 erreichte, sondern mit Platz 6 knapp daran vorbeirauschte, war für mich eine der größten Überraschungen des Wettkampfes. Henry zeigte an diesem Abend für mich seine bisher beste Form. Sein kantiger, massiver Körper war sehr gut definiert. Henrys Beinentwicklung fiel mir besonders positiv auf und an seinem Körper gab es aus meiner Sicht keine Schwachstelle. Einzig die Farbe hätte besser sein sollen und das könnte der entscheidende Grund dafür gewesen sein, warum dieser Top-Athlet nicht ins Finale kam. In jedem Fall große Gratulation an Henry für seine sehr gute Leistung und die Art und Weise, wie er dieses Resultat aufnahm.

Leider ist mir bei Henrys Auftritt der Fotoapparat „abgeschmiert“, so dass aktuell noch keine Fotos von ihm vorliegen. Ich gehe aber davon aus, dass diese in Kürze nachgereicht werden können.

Fabian Buchert:
“A new Star is born!” Besser lässt nicht beschreiben, was mit Fabian Buchert an diesem 13. November 2010 in NYC geschah! Seit dem Gewinn seines dritten GNBF e.V. Deutschen Meistertitel in der Juniorenklasse und der knappen Niederlage im Stechen um den Gesamtsieg der GNBF e.V. Deutschen Meisterschaft am 16.10.2010 gegen Lars Jeske, hatte sich dieses 21jährige Muskelwunder noch einmal enorm verbessert. Etwa zwei Stunden vor seinem Auftritt kam Fabian zusammen mit seinem Betreuer Nicolas Rojas zu mir und Fabian antwortete auf meine Frage, wie er sich fühle sehr zuversichtlich: “Sieht gut aus, dass passt schon“. Und wie Recht er damit haben sollte! Als die 13 Teilnehmer des Leichtschwergewichts auf die Bühne gerufen wurden, stand Fabian zunächst ziemlich weit außen. Nicolas und ich saßen direkt vor der Bühne und uns fielen natürlich sofort Fabians überragende Beine auf – Beine, die ohne Zweifel zu den Besten des gesamten Wettkampfes gehörten und das schließt die Profis mit ein! Die Vorderansicht seiner Oberschenkel bietet dem Betrachter volle, lange Muskelköpfe mit tiefen, elegant anmutenden Muskelansätzen. Seine Quadrizepse sind in ihrer Gesamtheit extrem gut entwickelt, inklusive des seitlichen Schwungs der Oberschenkel. Aber auch in der Oberkörperentwicklung zeigte sich Fabian sehr stark verbessert im Vergleich zur Deutschen Meisterschaft von vor vier Wochen. Und das fiel auch der Jury auf – das erste Kommando der Juroren war „Number four come into the middle“. Für mich kam sofort die Erinnerung an den Wettkampf von Frank Kaerger im Jahre 2007 an gleicher Stelle im Leichtgewicht hoch. Auch bei Frank erschallte das gleiche Kommando der Juroren zum Positionswechsel durch den Saal, er blieb dort bis zum Schluss stehen und gewann am Ende den INBF Weltmeistertitel. Ganz so weit war es für Fabian natürlich noch nicht – die Schlacht musste erst einmal gewonnen werden und ihm saßen harte Gegner im Rücken. Insbesondere der Australier Harry Vlahos wollte es nach seinem 3. Platz im Jahr 2008 (Jörg Müller wurde damals zweiter) und dem 2. Platz im Jahr 2009 nun wissen und sich in diesem Jahr die Weltmeisterkrone holen.
Zwar kann Fabians Oberkörper noch nicht ganz mit den phantastischen Beinen mithalten, aber an diesem Tag gab es keinen Athleten, der ihm in der Vorentscheidung das Wasser hätte reichen können. Dieser Eindruck seiner Überlegenheit wurde auch in der Rückenansicht bestätigt. Eine unglaubliche Muskelteilung in den Beinbizepsen und eine wahnsinnig gestreifte Gesäßmuskulatur fesselten die Zuschauer ebenso wie die Jury. Auch mir fiel es schwer, den Blick von Fabian zu wenden. Je länger ich mir den Wettkampf anschaute, umso fester war ich davon überzeugt, dass Fabian Weltmeister wird. Diese Einschätzung teilte auch Nicolas, der sich aber noch nicht zu euphorisch äußern wollte. Indes stand Fabian dort oben auf der Bühne und lieferte einen perfekten Wettkampf ab. Er hielt ständig Spannung in den Muskeln und zeigte dabei nahezu immer das Lächeln seiner strahlend weißen Zähne. Dieser junge Athlet hat einfach Charisma auf der Bühne und als die Vorentscheidung zu Ende war, ging ich zu ihm hinter die Bühne und gratulierte ihm zum WM-Titel. Das war natürlich nicht ohne Risiko, denn man weiß nie ganz genau, wie die Juroren werten. Aber an diesem Tag gab es für mich keinen Zweifel, dass er es schaffen würde. Das sahen wohl auch die Verantwortlichen der amerikanischen Originalausgabe des Magazins Natural Bodybuilding & Fitness so, denn kurz nach der Vorwahl bekam Fabian (immer noch schweißüberströmt) eine Einladung für ein Fotoshooting, was einem Ritterschlag gleichkommt. Und als dann am Abend das Ergebnis in der Leicht-Schwergewichtsklasse verkündet wurde, war es für keinen der im Saal anwesenden Zuschauer überraschend, dass mit Fabian Buchert der jüngste INBF Weltmeister aller Zeiten gekrönt wurde. Für Fabian kann es jetzt nur weiter nach oben gehen. Seine sportliche Zukunft erscheint rosarot und wenn dieser sympathische Athlet auf dem Boden bleibt und weiter hart an sich arbeitet, dann gibt es für ihn aus meiner Sicht eine realistische Chance auf das Erreichen des Finales bei den Profis der WNBF oder sogar den Vorstoß in die Top 3.

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Die Top 5 im Leicht-Schwergewicht
v.l.n.r.: Michael Pacchione (4.)
Harry Vlahos (2.)
Fabian Buchert (1.)
Sebastian Stitz (3.)
Zack Dary (5.)

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Stechen um den Gesamtsieg v.l.n.r.:
Fred Gereige (Sieger Bantamgewicht)
Ben Wortley (Sieger Leichtgewicht)
Rene Schafroth (Sieger Mittelgewicht)
Fabian Buchert (Sieger Leicht-Schwergewicht)
Michael Penkin (Sieger Schwergewicht)

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Posedown mit Fabian (2. von rechts) Für die fünfte Deutsche Ausgabe der NB&F (April bis Juni 2011) habe ich ein Portrait über diesen neuen Natural Bodybuilding Star bereits fest eingeplant und wer weiß, vielleicht kann ich für ihn auch in den USA die eine oder andere Tür von großen Sponsorenfirmen öffnen. Der erste, ganz entscheidende Schritt dafür ist mit dem Gewinn des WM-Titels getan. Fabian ist nach Frank Günther in 2003 und Frank Kaerger in 2007 der dritte GNBF e.V. – Athlet, der den INBF Weltmeistertitel gewonnen hat – genug gesagt, oder?

Sonntag, 15. November 2010:
Nach über 17 Stunden! Wettkampf am Sonnabend begann der Sonntag recht ruhig, ich packte meine Sachen und nicht mehr lange und es ging zum Flughafen. Voller Eindrücke über diese WM stieg ich in den Flieger. Die Leistungen und die Gefühlslage der diesjährigen GNBF e.V. WM-Teilnehmer lagen soweit auseinander wie Himmel und Hölle. Aus meiner Sicht können wir aber stolz auf alle unsere Athleten sein, die dieses Jahr die Deutschen Fahnen bei der WNBF/INBF Weltmeisterschaft im Natural Bodybuilding vertraten: Fabian, Ilona, Thomas, Henry und Armin – die GNBF e.V. und die Deutsche Natural Bodybuilding Gemeinschaft dankt Euch für Euren Einsatz!

Ich freue mich schon jetzt darauf, dass GNBF e.V. Nationalteam im Jahre 2011 in die USA zu begleiten und bin gespannt darauf, wie sich dieses Team in einem Jahr zusammensetzen wird.

Mit besten Wünschen
für das Training,

Berend Breitenstein


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Berend Breitenstein (links) und Nicolas Rojas (rechts) gratulieren dem INBF-Leichtschwergewichts-Weltmeister 2010, Fabian Buchert!

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