Fitness-Boom in Kabul

Afghanen bahnen sich mit Bodybuilding den Weg in eine neue Gesellschaft. Seit der Niederschlagung des Taliban-Regimes haben in Kabul 80 neue Fitness-Studios eröffnet. Meist sind die Studios nicht größer als eine Garage und bestehen vorrangig selbstgebaute Hantelmaterial oder gebrauchte Gewichtsmaschinen. "Die Studios sind hier mittlerweile so akzeptiert wie Getränkeläden", berichtet ein Korrespondent, der für ein US-Magazin arbeitet und hinzufügt: "Es scheint, als ob Trainingsklamotten die Burkas verdrängt haben."

Auch Thomas Gouttierre, Direktor des Zentrums für Afghanistan an der Universität von Nebraska, bestätigt diese Beobachtung: "Die privaten Studios sind plötzlich überall in Kabul und fast wöchentlich kommt ein neues hinzu."

Doch wie kann man den anhaltenden Fitness-Trend in einem von Krieg gebeutelten Land erklären? Der Wissenschaftler glaubt auf diese Frage eine Antwort gefunden zu haben. "Die Eröffnung neuer Fitness-Studios scheint in Kabul einer gewissen Pragmatik zu entspringen. Zuerst haben sie nur Schutt und Trümmer. Daraus bauen sie einen Trainingsraum und durch das Training bauen sie ihre Körper auf. Mit diesen Körpern, die auf Kraft und Leistung getrimmt sind, bauen sie schließlich eine neue Nation auf. Wenn man nichts hat, keine Wasserleitungen, keine Elektrizität, keine Heizung, wenn es ein Glück ist, zum Frühstück ein Glas Milch trinken zu können, wenn alles was man hat, zwei Arme und zwei Beine sind, und manchmal noch nicht einmal das, dann ist das Training der erste Schritt in eine neues Leben."“

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