Bodybuilding: Jay Cutler verteidigt Titel – Rockel und Wolf im Finale

Die 45. Auflage der Wahl zum Mr. Olympia sollte eine der spannendsten in der Geschichte des Bodybuildings werden. Als Jay Cutler am Freitagabend zur Vorwahl zum ersten Mal in den Scheinwerferkegel trat, stand er nicht in seiner Bestform auf der Bühne. Der amtierende Mr. Olympia wurde damit vom Herrscher zum Gejagten.

1. Platz: Jay Cutler

Cutler dominierte das Feld zwar klar mit seiner brachialen Masse und tiefe Einschnitte in den Oberschenkeln zeugten von einer präzisen und perfekt geplanten Vorbereitung, allerdings schimmerte ein leichter Wasserfilm unter seiner Haut, der den Gesamteindruck minderte. Aber das war nicht Cutlers einziges Problem. Der Mann, der bereits dreimal die Sandow-Statue in den Händen hielt, wirkte sichtbar angeschlagen und hatte Mühe, die Posen lange genug zu halten, damit die Jury sie bewerten konnte. „Ich war gestern extrem dehydriert“, sagte ein erholter Jay am Tag des Finales, an dem er sich deutlich angriffslustiger und souveräner präsentierte. Am Samstag stand wieder der Jay Cutler auf der Bühne, der 2009 mit seiner Übermacht in allen Belangen seinen Titel zurückeroberte. Sichtbar erleichtert wirkte der in Las Vegas lebende Sohn eines Bau-Unternehmers, als er zum Sieger ausgerufen wurde. Mit zittriger Stimme bedankte er sich bei seinem 81 jährigen Vater, der überraschend nach Las Vegas angereist war, um seinen Sohn bei der schweren Bewährungsprobe moralisch zur Seite zu stehen. Das mit Cutler nicht nur ein hervorragender Athlet, sondern auch ein bescheidener und dennoch selbstbewusster Sportsmann gewonnen hat, zeigte sich, als Jay nicht der guten Worte genug finden konnte, um die Leistung von Phil Heath zu loben.

2. Platz: Phil Heath

Phil Heath lieferte in Las Vegas ein perfektes Paket ab und konnte nach Jahren der Stagnation sogar einen deutlich sichtbaren Massezuwachs präsentieren. Der wohl ästhetischste Athlet im gesamten Teilnehmerfeld glänzte mit vollen und prall wirkenden Muskelköpfen, die sich in nahezu perfekten Proportionen an einer harmonischen Linie angliederten. Die Achillesferse des Texaners bleibt jedoch die zu kurze Brust, die das Gesamtbild erheblich stört. Darüber konnte auch seine selbstbewusste Gangart nicht wegtäuschen. Hätte sich Cutler nicht im Finale wieder in seiner Bestform gezeigt, hätte Phil jedoch völlig zu recht die Krone des Bodybuildings zugestanden.

3. Platz: Dexter Jackson
Dexter Jackson größte Leistung besteht in seiner Zuverlässigkeit. „The Blade“ ist immer auf den Punkt vorbereitet und bereit für den großen Wurf. Der ehemalige Mr. Olympia kann aber auf Grund seiner Größe nur dann wirklich zur Geltung kommen, wenn die Top-Athleten rechts und links von ihm nicht in einer makellosen Verfassung auf der Bühne stehen. Und dieses Jahr waren Phil Heath und Jay Cutler einfach schlicht zu gut für den Mann aus Jacksonville.

4. Platz: Branch Warren

Branch Warren hat sich durch seine stoische Art und absolut freakige Erscheinung einen Kultstatus unter den Bodybuilding-Fans erworben. Man könnte fast sagen, dass er die texanische Antwort auf Englands sechsfachen Mr. Olympia Dorian Yates ist. Die Einzigartigkeit seiner Körperlichkeit macht ihn gleichsam zur Muskelikone, als auch beinahe beliebig platzierbar. Seine extreme Vaskularität, tiefe Definition und unbegreifliche Beinentwicklung machen ihn unbestreitbar zum Spitzenkandidaten. Das Fehlen von harmonischen Proportionen und einer ästhetischen Linie gibt aber leider auch immer Gründe, warum er eben nicht in die Spitze des Muskelsports vordringen sollte.

5. Platz: Dennis Wolf

Das Comeback des Jahres gehört zweifelsohne Dennis Wolf. Nachdem er sich im letzten Jahr nicht platzieren konnte und im Laufe der aktuellen Saison eher durch private Fehden mit seinen Trainern als mit guter Leistung für Schlagzeilen sorgen, stand der „Big Bad Wolf“ wieder ausladend groß und knochentrocken vor den Augen der Juroren der rund 7000 Zuschauer in der ausverkauften Orleans-Arena. Lediglich sein zu hoch ansetzender Lat und ein leichtes Zulaufen der Muskeln im Finale verhinderten eine bessere Platzierung.

6. Platz: Ronny Rockel

Mit Ronny Rockel komplettiert ein Mann die Finalisten des größten Bodybuilding-Wettkampfes der Welt, der nun endlich die Früchte seiner harten Arbeiten ernten kann. Tiefe Streifen und pralle Muskeln haben Ronny in den letzten Jahren stetig eine Stufe höher klettern lassen. Der sympathische Sachse hätte durchaus auch vor seinen Landsmann Dennis Wolf platziert werden können, aber mit dem Einzug in die Top-6 hat der eiserne Arbeiter den längst verdienten Ritterschlag zum Elite-Bodybuilder bekommen.

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