Berend Breitensteins der Wettkampfbericht vom WNBF Pro Masters Cup 2008 in IOWA

(c) Alle Bilder unterliegen dem Copyright von Berend Breitenstein!

Mittwoch, 24.09.2008

Das Projekt WNBF Pro Masters Cup 2008 ging mit dem Abflug aus Hamburg am Mittwoch, den 24.09.2008, um 13 Uhr in die letzte Phase. Vor mir lag ein insgesamt 20 €“stündiger Trip mit Zielflughafen Omaha / Nebraska. Der Wettkampf würde dann im nahegelegenen Council Bluffs / Iowa stattfinden.

Die Koffer waren bereits am Vorabend gepackt, auch die Verpflegung für die Anreise, die sich aus 4 Portionen gegrilltem Hühnerbrustfilet und ca. 7 Litern Wasser zusammensetzte, war zubereitet und reisefertig verpackt.

Ein Snack auf dem Flughafen
"Ein Snack auf dem Flughafen 

Ich entschloss mich dafür, von Montag, den 22.09.2008, bis Donnerstag nachmittags, den 25.09.2008, die Kohlenhydratzufuhr auf ein Maximum von 30 g pro Tag zu begrenzen. Somit war für den Zeitraum der Kohlenhydrat-Entladephase, im Gegensatz zu meinen bisherigen Wettkämpfen, in deren Vorbereitung ich stets am Mittwoch mit dem Aufladen begann, ein zusätzlicher Tag für das "Carb €“Depleting  angesetzt.

Um 10 Uhr 30 klingelten meine Eltern an der Tür, die mich auf der Reise begleiteten. Im Vorfeld hatte sich mein Vater großartig um die ganze Organisation gekümmert, angefangen bei der Reiseverbindung für den Flug von Hamburg über Kopenhagen, weiter nach Chicago bis zur Unterkunft in Omaha, in einem Hotel mit eingegliederter Küche. Das war insbesondere für die Tage in den USA vor dem Wettkampf, also Donnerstag und Freitag, wichtig. Schließlich wollte ich unter keinen Umständen in letzter Minute noch einen Fehler bezüglich der Ernährung begehen, und da war eine eigene Küche, sprich die Möglichkeit, meine Speisen selber zuzubereiten, natürlich Gold wert.

Am Flughafen Fuhlsbüttel trafen wir Jochen Möhrstädt, den mehrmaligen Masters €“ Siegers der GNBF e.V., der ebenfalls beim Pro Cup an den Start gehen würde. Die Anreise in die USA war dann zugegebenermaßen ziemlich anstrengend. Der Kohlenhydratentzug tat seinen Teil dazu, dass es mit der körperlichen Energie und mentalen Kraft am Ende des Trips über den großen Teich nicht allzu gut bestellt war. Daher war ich froh, Mittwoch nacht um 23 Uhr Ortszeit endlich im Hotel in Omaha angekommen zu sein und fiel todmüde ins Bett. Aufgrund der Zeitverschiebung von 7 Stunden gegenüber Deutschland kam mein Tag / Nacht €“Rhythmus natürlich ziemlich durcheinander, und der Schlaf wurde vom häufigen Aufwachen unterbrochen. Aber kein Problem  €“ der bevorstehende Wettkampf setzte so viel geistige Energie frei, dass ich mich nach ca. 5 Stunden Schlaf am nächsten Morgen gut ausgeruht fühlte.

Donnerstag, 25.09.2008

Nach einem nahezu kohlenhydratfreien Frühstück aus einer Hühnerbrust und 2 Scheiben Käse stand als nächster Programmpunkt der Lügendetektor €“Test an.

Der Lügendetektor  €“ Test

"Der Lügendetektor  €“ Test 

Nach dem Testing, das ich erwartungsgemäß ohne Probleme bestand, machten sich mein Vater, Jochen und ich auf den Weg in das Studio "Fit4Life , welches dem Veranstalter des Wettkampfes gehört.

Auf der Fahrt dorthin entdeckten wir einen Supermarkt und beschlossen, dort einige Dinge einkaufen zu gehen. Das Sortiment war wirklich überwältigend. Dieser Food Store ließ jeden Lebensmittelmarkt in Deutschland wie einen Tante Emma-Laden aussehen. Sowohl die Anzahl an verschiedenen Herstellern als auch die Vielzahl des Sortiments ist in Deutschland einfach nicht zu finden. Ich befand mich noch voll im Kohlenhydratentzug und spürte, wie sich beim Anblick der riesigen Süßwarenabteilung der Heißhunger meldete.

Aber jetzt hieß es, standhaft zu bleiben und das Schlemmen auf nach dem Wettkampf zu verlegen. So besorgte ich mir eine Portion Roastbeef, die ich im dortigen Starbucks-Café zusammen mit einem Becher des schwarzen Lebenselexirs genoss. Im Anschluss daran folgte ein leichtes Rücken- und Bizepstraining im Fit4Life und das Praktizieren des Posings.

Nach dem Training waren es noch gut 40 Stunden bis zum Wettkampfbeginn. Nun war ich echt platt und fühlte, wie meine Reserven zur Neige gingen. Genau der richtige Zeitpunkt also, um auszuruhen und langsam mit dem Kohlenhydrataufladen zu beginnen. Die erste Portion Kohlenhydrate genehmigte ich mir in Form eines mit Schokolade überzogenen Proteinriegels. Was für ein Genuss! Im weiteren Verlauf des Nachmittages gab es dann noch drei Scheiben köstlichen Bananenkuchen, den ich mir aus dem Supermarkt mitgenommen hatte und eine Portion Haferflocken mit Trockenobst. Das Abendessen bestand aus Hühnerbrust und einer guten Portion Vollkornnudeln. In der Nacht wachte ich einige Male auf und verzehrte in diesen Schlafpausen jeweils ein Stück Bananenkuchen oder eine Portion Haferflocken mit etwas Trockenobst. Dann wurde es langsam hell, und der Freitag brach an.

Das Frühstück bestand aus einer weiteren Portion Haferflocken und Trockenobst. Ab jetzt schränkte ich auch meine Flüssigkeitszufuhr stark ein. Trank ich während der letzten Tage noch zwischen 5 und 7 Litern Wasser täglich, so gab es am Freitag lediglich einen Kaffee zum Frühstück und Nachmittag und etwa einen Liter Wasser. Der Körper ist aufgrund der hohen Wasserzufuhr der vorangegangenen Tage gewöhnt, viel Flüssigkeit auszuscheiden und fährt damit fort, auch wenn sehr wenig getrunken wird. In Kombination mit einer nahezu salzfreien Ernährung ab Freitag, der Einnahme eines Kaliumpräparates und eines Entwässerungsmittels auf pflanzlicher Basis resultiert diese drastische Einschränkung der Wasseraufnahme bei gleichzeitiger hoher Kohlenhydratzufuhr darin, dass die Muskulatur beinahe stündlich voller und härte wurde.

Die erste Tageshälfte des Freitages bummelten wir alle zusammen durch ein Einkaufszentrum und erkundeten die nähere Umgebung des Hotels.

Zwischen 17 und 20 Uhr mussten sich alle Teilnehmer am Wettkampf in der Veranstaltungshalle, dem Mid-America Center, einschreiben, wurden gewogen und mussten Urin für den Urintest abgeben.

Das Einschreiben für den Wettkampf

"Das Einschreiben für den Wettkampf 

Im Anschluss an diese Formalitäten bekam ich meine erste Schicht Bräune aufgetragen. Hierfür wurde vom Veranstalter ein spezieller Bräunungsservice angeboten. Für 75 US$ konnten sich die Teilnehmer durch einen Fachmann beziehungsweise eine Fachfrau   vollständig mittels einer "Bräunungspistole  einsprühen lassen.

Bräunungs €“Service

"Bräunungs €“Service 

Most Muscular - Freitag abend

"Most Muscular – Freitag abend 

Wer bereits Erfahrung mit dem Auftragen von Farbe vor dem Wettkampf hat, der weiß, wie nervig das sein kann. Daher war ich heilfroh, dass ich mich um eine perfekte Bräunung vor dem Wettkampf keine Gedanken mehr machen musste. Der Abend stand dann ganz im Zeichen von Entspannung vor dem TV. Ich schlief wieder ziemlich unruhig, was aber kein Wunder war, denn am nächsten Tag war es endlich soweit, der Moment der Wahrheit näherte sich ruhig und mit großen Schritten.

Sonnabend, 27.09.2008

Nun war er da  €“ der Tag des Wettkampfes! Sonnabend früh gab es zusammen mit Jochen ein leichtes, kohlenhydratarmes Frühstück aus Haferbrei, Banane und Rosinen. Im Anschluss daran ging es zum Wettkampfort. Für 6 Uhr 30 war das Auftragen einer weiteren Schicht Bräune terminiert. Pünktlich um 7 Uhr 30 fand das Athletenmeeting statt, in dessen Rahmen die Anwesenheit der Teilnehmer festgestellt wurde, der Ablauf des Wettkampfes besprochen wurde und die Startnummern ausgehändigt wurden. Die Wertung der PRO €“Klasse war für 8 Uhr 30 angesetzt. 45 Minuten vor dem Betreten der Bühne verzehrte ich drei Reiswaffeln mit Honig. Das gab mir einen Super-Pump beim Aufwärmen, mit dem ich gegen 8 Uhr 10 begann. Bei einem Blick auf meine Konkurrenten konnte ich erkennen, dass ich gut dabei sein würde. Für die Top 3 würde es wohl nicht ganz reichen, aber danach war aus meiner Sicht alles offen.

Pumping up

"Pumping up 

Und dann hieß es auch schon: "Pro Men 5 minutes to go . Ich spürte, wie eine Extra €“Portion Adrenalin durch meinen Körper schoss und machte mich bereit für den Auftritt. Ich war fest entschlossen, bis zum Umfallen zu kämpfen. Bereits beim ersten Line up schallte das Kommando des Juryvorsitzenden durch die Halle: "Number 1 change places with number 5 , was soviel hieß, dass ich nicht mehr ganz außen stehen würde, sondern mich mehr im Blickfeld der Jury befand. Ein durchaus positives Zeichen für den weiteren Verlauf des Wettkampfes. Nach Abschluss der Vorwahl hatte ich ein gutes Gefühl und blickte voller Zuversicht auf die Abendveranstaltung.

Seitliche Brust

„Seitliche Brust“

Doppelbizeps hinten

„Doppelbizeps hinten“

Most Muscular

„Most Muscular“

Nach einigen Stunden mehr oder wenig Ruhe, einem guten, chinesischen Essen und einem 0,5 Liter Kohlenhydratgetränk ging es dann um 14 Uhr weiter mit einem professionellen Fotoshooting, bevor um 17 Uhr 30 die Abendveranstaltung begann.

Look at yourself

„Look at yourself“

Seitlicher Stand

„Seitlicher Stand“

Seitliche Brust

„Seitliche Brust“

Hier zeigte jeder der teilnehmenden Athleten seine Kür, im Anschluss daran gab es noch einmal einen direkten Gruppenvergleich der Athleten. In Gewissheit, meine absolute Bestform erreicht zu haben, war es ein großartiges Gefühl für mich, auf der Bühne zu stehen und den Wettkampf zu bestreiten.

Front

„Front“

Seitliche Trizeps

„Seitliche Trizeps“

Doppelbizeps hinten

„Doppelbizeps hinten“

Ausfallschritt

„Ausfallschritt“

Classic Pose

„Classic Pose“

Bauch und Beine

„Bauch und Beine“

Doppelbizeps front

„Doppelbizeps front“

Die Hitze auf der Bühne trieb mir den Schweiß auf den Körper, und ich war froh darüber, während der Vorbereitung auf den Pro Cup regelmäßig und intensiv das Posing geübt zu haben. Insbesondere die Grundstellungen der vier Vierteldrehungen erfordern das ständige Anspannen des gesamten Körpers, und die Jury verlangte drei volle Durchgänge dieser Posen, bevor es mit den Pflichtposen weiterging.

Front

„Front“

Seitlich links

„Seitlich links“

Seitlich rechts

„Seitlich rechts“

Dann war es geschafft. Die Arbeit war getan. Jetzt hieß es warten auf die Bekanntgabe der fünf Finalisten. Als der Sprecher des Abends meinen Namen zusammen mit vier anderen aufrief, wusste ich, dass es für eine Platzierung mindestens unter den ersten Fünf gereicht hatte.

Front Top 5

„Front Top 5“

Dann erklang der Satz: "In fifth place  €“ Berend Breitenstein from Germany  durch den Saal, und es gab vereinzelte Buhrufe, aber viel Applaus. Der fünfte Platz war durchaus ein Erfolg, wenn auch aus meiner Sicht eine Platzierung als Vierter möglich und vertretbar gewesen wäre. Für die Top 3 reichte es dieses Mal noch nicht ganz. Konnte ich in der Brust-, Schulter-, Arm- und Bauchmuskelentwicklung sowie in der Symmetrie des Körpers insgesamt durchaus Vorteile gegenüber den meisten meiner Konkurrenten verzeichnen, hinkte die Definition und der äußere Schwung meiner Oberschenkel sowie des inneren Rückenbereiches im Vergleich zu den ersten drei Platzierten etwas hinterher.

Finale Pose mit Medaille

„Finale Pose mit Medaille“

Als ausländischer Athlet muss man schon deutlich besser als die Amerikaner sein, um ganz vorne zu landen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend, und ich bin mit dem fünften Platz bei der Profi €“WM für Natural Bodybuilder durchaus sehr zufrieden, zumal ich meine bis dahin absolute Bestform präsentierte. Jochen kam auf den sechsten Platz und gratulierte mit sportlicher Fairness.

Glücklich verließ ich zusammen mit meinen Eltern und Jochen die Halle. Es war eine großartige Zeit in diesen Tagen des späten Septembers 2008, in der ich viele nette Menschen kennenlernte und mich sehr über die Fairness der Sportler untereinander freute. Respekt und Achtung vor der Leistung der anderen war bei allen Startern des Wettkampfes zu spüren.

Am Sonntag, den 28.09.2008, dem Tag nach dem Wettkampf, ließen wir es alle ruhig angehen, und ich genoss nach langen Monaten des Verzichts wieder einmal eine Süßspeise "American Style : Käsekuchen mit Erdbeer-Brombeer-Überzug, darunter eine Schicht lockeren Zimtteig. Was für ein Geschmackserlebnis!

Dessert am Tag nach dem Wettkampf

„Dessert am Tag nach dem Wettkampf 

Allzu sehr werde ich aber nicht über die Strenge schlagen, denn ich möchte meine Form zu ca. 80 Prozent konservieren. Das heißt, mehr als 5 Kilogramm werde ich in der Off-Season nicht zunehmen. In der Jugend waren es schon öfter 20, sogar 25 Kilogramm, die ich nach einem Wettkampf oder Fotoshooting draufpackte. Leider größtenteils nicht in Form von magerer Muskelmasse €¦ aber aus den Fehlern der Vergangenheit habe ich gelernt. Überhaupt konnte ich in der Vorbereitung auf den Pro Cup alle über die Jahre gesammelten und am eigenen Leibe erprobten Trainings- und Ernährungsstrategien optimal einsetzen. Diese Erfahrung, welche Trainingsart und welche Ernährungsweise für den eigenen Körper die besten Resultate im Muskelaufbau und Fettabbau bringt, kann nur durch Versuch und Irrtum gemacht werden.

Sollte es also stimmen, was des öfteren behauptet wird, nämlich das Bodybuilder mit zunehmendem Alter immer besser werden? Für meinen Teil kann ich das klar mit einem JA beantworten!
Ich bin glücklich darüber, bewiesen zu haben, dass ich in der Weltspitze mithalten kann und mein langjähriges Vorhaben, bei den Pro Masters an den Start zu gehen, erfüllt habe. Denn auf eines kommt es aus meiner Sicht ganz entscheidend an: Träume und Vorhaben im Leben zu verwirklichen. Reden tun viele. Die darauffolgende Tat ist eine andere Sache und spricht für sich selbst.

Was die Zukunft bringt? In 2008 war ich nahe dran an einem Platz ganz oben. Da ist es doch eine wunderbare Vorstellung im nächsten Jahr diesen Sprung zu schaffen, oder nicht?

Train hard  €“ train Natural!
Berend Breitenstein

Vielen Dank an Berend Breitenstein für diesen Bericht und die tollen Fotos!

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