Bankdrücken: Interview mit Champion Markus Schick

Markus Schick mehrfacher Weltmeister im BankdrückenNach einem spektakulären Erfolg im Frühjahr auf der Arnold Classic, wurde es international ruhiger um Dich. Welche Verletzung hast Du dir zugezogen ?

Schon seit längerem habe ich mit Schulter- und Nackenproblemen zu kämpfen, das sogenannte „Impingement-Syndrom“ bereitet mir große Probleme, hinzu kam nach der „Arnold Classics“ noch ein heftiger Hexenschuss, welcher mich fast 6 Wochen, begleitet hat. Da Gesundheit nunmal ein hohes Gut ist, welches ich selbstverständlich vor den Sport stelle, war für mich klar, daß ich es ersteinmal ruhiger angehen lasse und die Verletzungen auskurieren zu lassen.

Wie hast Du daraufhin Dein Training umgestellt ?

Mein Training hat sich in den letzten Monaten mit deutlich mehr Nebenübungen speziell für den Rücken und Bizeps-Trizeps beschäftigt, sodass ich meine muskulären Dysbalancen wieder in den Griff bekomme. Hier habe ich in den letzten Jahren eindeutig einiges vernachlässigt und den Fokus zu sehr auf das Bankdrücken und die dazu spezifischen Zusatzübungen gelegt. Das habe ich nun abgestellt und dadurch eine deutliche Verbesserung erzielt.

Welche Vorgehensweise würdest Du anderen verletzten Athleten allgemein empfehlen, um so schnell wie möglich wieder voll ins Training einsteigen zu können ?

Es ist unerlässlich sich professionelle Hilfe zu holen und dadurch auch schnellstmöglich wieder fit zu werden. Einfach nur „auskurieren“ kann zu chronischen Schäden führen und zudem ein weiteres Verletzungsrisiko deutlich erhöhen. Ich habe das Glück mit Gunda Fiona von Bachhaus eine ausgezeichnete Masseurin und jetzt auch Physiotherapeutin zu haben, bei welcher ich regelmäßig in Behandlung bin, zudem hatte ich während der akuten Phase meines Hexenschusses und den Schulterproblemen mit dem Gesundheitszentrum R2comSport unter Björn Reindl wohl die professionellste Unterstützung und Behandlung welche man sich wünschen kann. Zudem sollte man auch sein Training diesbezüglich anpassen und auf keinen Fall in den Schmerzbereich trainieren. Zusammengefasst bedeutet dies, bestmögliche Physiotherapie und Massagen und angepasstes Training helfen einem so schnell wie möglich wieder fit zu werden.

Fiel es Dir schwer, die EM und WM dieses Jahr auszulassen? – Was tust Du, um trotz der langen Wettkampfpause den Siegeswillen nicht zu verlieren ?

Nun, sicherlich ist es nicht einfach als aktiver Sportler mitanzusehen, wenn man bei den sportlichen Höhepunkten des Jahres die passive Rolle zugeteilt bekommt und nicht selbst eingreifen kann. Andererseits ist es aber, wie schon Anfangs erwähnt, das Wichtigste gesund und schmerzfrei zu sein. Wenn man sich dessen bewusst ist, dann ist es nur bedingt schwer, eine WM und EM auszulassen. Außerdem hatte ich ja mit meinem 7. Arnold Classics – Erfolg in diesem Jahr bereits meinen sportlichen Höhepunkt, welcher für mich eine höhere Wertigkeit als eine WM hat. Den Siegeswillen verliert man meines Erachtens nicht durch eine längere Wettkampfpause, sondern das Gegenteil ist der Fall. Gerade wenn man länger ausfällt, ist die Motivation doch am höchsten, wieder zu alter Form zurückzukehren, dafür muß man meines Erachtens nichts besonderes machen.

Welchen Stellenwert hatte die Bank-DM im Rahmen deines „Comebacks“? – Lief alles wie geplant oder schränkt Dich deine Verletzung weiterhin etwas ein ?

Die DM ist immer ein schöner Wettkampf, um Freunde wiederzusehen und zudem auch der höchste nationale Wettkampf. In diesem Jahr war es für mich wichtig vor der DMM noch Versuche unter Wettkampfbedingungen zu machen, da diese in bereits 2 Wochen stattfindet. Wirklich zufrieden war ich mit dem Verlauf des Wettkampfes nicht, schon beim Aufwärmen habe ich gemerkt, daß dieser Tag nicht so laufen wird, wie ich es mir vorgestellt hatte. Darum habe ich meinen Anfangsversuch auch erst einmal reduziert. Meine Rückenbeschwerden sind auskuriert und bereiten keine Probleme mehr, meine Schulter- und Nackenbeschwerden sind noch immer leicht zu spüren, so daß ich hier noch nicht auf 100 % der Leistungsfähigkeit bin, aber dies ist kein Grund gewesen, weswegen es für mich nicht wie gewünscht lief, da ich damit ja auch im Training umgehen muß. Die Tagesform ist auch immer ein bedeutender Faktor und die war eben nicht so, wie sie im Optimalfall hätte sein sollen, wobei ich mit dem Ergebnis und den gedrückten 260 kg schon zufrieden bin; ich konnte aber die Versuche nicht so drücken, wie ich sie gerne gedrückt hätte. Ist wohl eher ein subjektives Empfinden ;o). Aber letztendlich bin ich zufrieden, daß ich wieder einen größeren Wettkampf mitgemacht habe.

Mit welchen Erwartungen gehst Du die Bank-DMM an ?

Die DMM-Bank hat sowohl für unseren Verein als auch für mich einen hohen Stellenwert, zumal wir ja auch vor heimischer Kulisse heben. Zudem geht es hier nicht um den einzelnen Athleten, sondern wir kämpfen als Mannschaft füreinander. Das stärkt zum Einen das Zusammengehörigkeitsgefühl und ist zudem auch noch spannender, da mehrere Athleten für den Erfolg verantwortlich sind. Ich hoffe, daß ich bei diesem Wettkampf einen für mich besseren Wettkampf als bei der DM erwische und zudem wir, der FCL Rhein-Main Rüsselsheim e.V., den Titel zum 3. mal in Folge gewinnen können.

Welche Mannschaften gehören bei der Bank-DMM zu den Favoriten ?

Wenn alles normal läuft, wird es wohl auf einen Zweikampf zwischen dem AC Siegfried Darmstadt und uns, den FCL Rhein-Main Rüsselsheim e.V., herauslaufen. Aber die letzten Jahre haben gezeigt, daß es auch immer wieder zu Überraschungen und einem Favoritenstraucheln kommen kann, wenn Athleten mit ungültigen Versuchen ausscheiden und somit das Klassement durcheinandergewürfelt wird.

Wie haben Dich die Änderungen der Gewichtsklassen allgemein hinsichtlich Training und Ernährung beeinflusst?

Der Unterschied zwischen der alten Klasse -82,5 kg und nun der neuen Klasse -83 kg ist ja minimal, so daß ich diesbezüglich keinen Unterschied weder in Sachen Training noch Ernährung hatte.

Welche Ziele hast Du für das nächste Wettkampfjahr ?

Nachdem ich ja in diesem Jahr weder die WM noch die EM mitmachen konnte, ist dies mein primäres Ziel für das nächste Jahr. Ob ich ebenfalls auf der „Arnold Classics“ starten werde, steht noch nicht fest, da der Veranstalter, welcher den Bankdrückwettkampf auf der „Arnold Classics“ veranstaltet, bisher noch keinen Athleten eingeladen hat, welcher nicht für den amerikanischen Verband startet. Demnach steht das noch nicht fest.

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