Ausdauertraining verjagt den Hunger

Viele Fitness-Trainer raten an akuter Zeitnot leidenden Schützlingen häufig dazu, lieber auf das Cardio-Training zu verzichten und mehr Hanteltraining zu betreiben, da größere Muskeln in der Konsequenz auch mehr Energie verbrennen und damit letztendlich mehr Kalorien verbraucht werden.

Dieser ohne Zweifel nicht von der Hand zu weisende logische Schluss kann aber künftig nicht ohne eine Zusatzbemerkung stehen gelassen werden. Denn Ausdauertraining führt offenbar dazu, dass der Appetit rapide abnimmt und damit auch die Wahrscheinlichkeit einer Hungerattacke zu erliegen, ebenfalls sinkt. Unter dem Strich betrachtet, könnte man womöglich sagen, dass durch den geringeren Appetit ähnlich viele Kalorien eingespart werden, wie sie ein durch Hanteltraining vergrößerter Muskel verbrauchen würde. Dass ist zumindest die Aussage, die nach der ausführlichen Betrachtung einer jüngst durchgeführten Studie zu treffen wäre.

Der Sportwissenschaftler David J. Stensel von der britischen Loughborough-Universität wollte es genau wissen und entwarf eine Studie, die den Einfluss von körperlicher Betätigung auf das Hungergefühl von gesunden Menschen untersuchte. Seinen Ergebnissen zufolge unterdrückt eine 60-minütige anstrengende Trainingseinheit auf dem Laufband das Hungergefühl stärker, als ein 90 Minuten langes Hanteltraining. Wie die Forscher um David Stensel nachweisen konnten, schüttet unser Körper bei einer langanhaltenden Dauerbelastung die Hormone Ghrelin und Peptid YY aus. Beide spielen eine Schlüsselrolle bei der Hunger- und Appetitsteuerung unseres Organismuses. Beim Krafttraining hingegen wird nur Grehlin vermehrt in die Blutbahn abgegeben.

Stensel erhofft sich, dass die Ergebnisse seiner Studie dabei helfen werden, ein effektives Abnehmprogramm zu entwickeln. Neben Ghrelin, das von japanischen Wissenschaftlern vor etwa 10 Jahren entdeckt wurde, und Peptid YY, welches seit mehr als 25 Jahren bekannt ist, gibt es noch andere Hormone, die einen Effekt auf unser Hungergefühl haben. Die englischen Wissenschaftler entschieden sich dennoch, ausschließlich diese beiden bei ihren Untersuchungen zu berücksichtigen, um eine eindeutigen Vergleich zwischen dem Ausdauer- und dem Hanteltraining ziehen zu können.

An der Studie waren insgesamt elf männliche Studenten beteiligt, die drei achtstündige Trainingsseinheiten absolvieren mussten. Das erste Workout war eine 60 Minuten lange Laufbandeinheit. Danach durften die Probanden sich für sieben Stunden ausruhen, ehe sie für 90 Minuten an die Hanteln gingen und ein anstrengendes Krafttraining absolvierten. Nach einer sechseinhalbstündigen Pause kehrten Sie in den Trainingsraum zurück und mussten zu ihrer Verwunderung nichts machen. Ein psychologischer Trick der Wissenschaftler, um die Faktor des Placebo-Effekts zu reduzieren und die "passive Trainingssession  als Gegenkontrollwert nutzen zu können.

Die Probanden mussten in jeder Trainingseinheit Fragen zu ihrem körperlichen Befinden und dem gegenwärtigen Hunger- und Appetitgefühl beantworten. Sie erhielten außerdem zwei Mahlzeiten während jeder Ruhephase, wobei das Forscherteam in regelmäßigen Abständen die Ghrelin- und Peptid YY  €“ Werte ermittelte.   Wie die Untersuchungsprotokolle zeigen, kam es nach dem Laufbandtraining zu einer Verminderung der Ghrelin-Ausschüttung und zu einer Erhöhung des Peptid YY  €“ Spiegels, wodurch also insgesamt das Hungergefühl abnahm. Beim Hanteltraining jedoch nahm der Ghrelin-Wert zwar ebenfalls ab, allerdings veränderte sich der Peptid YY  €“ Wert in keiner bemerkenswerten Weise.

Die individuellen Aussagen der Probanden zeigte außerdem, dass offenbar beide Trainingsarten das Hungergefühl reduzieren können. Der Effekt ist jedoch beim   Ausdauertraining spürbar größer.

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