Arnold Classic im Irak

Anlässlich Arnold Schwarzeneggers Geburtstag setzt Sabah Mahdi am 30. Juli eine lang gehegte Tradition fort und organisiert einen Bodybuilding-Wettkampf in seinem kriegsgeschundenen Heimatland, dem Irak. Die Vorbereitungen laufen schon lange auf Hochtouren. Dieses Jahr geht Mahdi mit besonders viel Elan und Energie die Wettkampfausrichtung an. Denn 2007 hat er zum ersten Mal den Mann persönlich kennen gelernt, den er seit mehr als 33 Jahren bewundert.

Erst im dritten Versuch kam ein Treffen im Rahmen des Arnold Classic Wochenendes in Ohio zu Stande. In den Kriegswirren zwei Jahre zuvor konnte Mahdi Reisepass organisieren. Im Jahr darauf verhinderte eine vom US-Militär verhängte Ausgangssperre, dass er seinen Flug antreten konnte, obwohl er von Arnold selbst bezahlt wurde.

Doch sowohl Mahdi als auch Schwarzenegger versuchten ungeachtet der bürokratischen Probleme ein Treffen zu organisieren. Als es in diesem Jahr endlich klappte, reagierte Schwarzenegger erleichtert: "Wir haben seit Jahren versucht ihn nach Columbus zu holen. Aber immer wieder kam etwas dazwischen. Wie man sich vorstellen kann, ist es alles andere als leicht einen Iraker in die USA zu bekommen. Jeder glaubte, dass er mit einen Bombengürtel oder so was ankommen würde, um ein Gebäude in die Luft zu jagen. Irgend einer war immer am Ausflippen, wenn wir Mahdi ins Land holen wollten. Gerade in dem Moment, wenn wir ihn im Flieger hatten, kam jemand und sagte, dass wir unbedingt noch ein bestimmtes Formular vom Auswärtigen Amt bräuchten. Irgendwas war immer. Aber jetzt hat es ja endlich geklappt."

Schwarzenegger ließ daraufhin Mahdi nicht mehr von seiner Seite wichen. Der Iraker gehörte zum Tross, der den kalifornischen Gouverneur das gesamte Muskelfestival über begleitete. Mit seinen 49 Jahren und kleinen Figur, wirkte Mahdi eher wie ein außenstehender Zuschauer als enthusiastischer Bodybuilder. Doch Schwarzenegger stellte klar: "Wir sind wirklich froh ihn hier zu haben. Er ist so ein leidenschaftlicher Bodybuilder und führt sehr engagiert ein Gym im Irak. Dieses Treffen wird ihm Energie für die nächsten 10 Jahre geben. Und dann holen wir ihn wieder zu uns."

Mahdis Interesse wurde 1973 geweckt, als er den Österreicher auf dem Cover einer Bodybuilding-Zeitschrift sah. Seitdem ist seine Bewunderung stetig gestiegen. Gerade der Aufstieg zum weltbekannten Filmstar und schließlich zum Gouverneur beeindruckte Mahdi sehr. "Es ist einfach ein Traum, was Arnold erreicht hat. Das ist so etwas wie ein gelebter Mythos", wurde Mahdi in der US-Presse zitiert.

In den siebziger Jahren war Bodybuilding im Irak ein angesehener Sport. Mahdi gewann den Mr. Irak und den Mr. Asia. In den Achtzigern trat er vom aktiven Wettkampfsport zurück, blieb dem Bodybuilding aber als Juror und Trainer treu. Später trainierte er die irakische Nationalmannschaft und einige Angehörige der irakischen Garde.

Zwischen 1993 und 1995 gehörte auch Saddam Hussein zu seinen persönlichen Kunden. Meistens musste er ihm Vorschläge für Trainingsprogramme unterbreiten. Mahdi erzählt, dass er niemals den Machtinhaber kritisiert oder korrigiert habe. Noch habe Hussein ihn jemals bezahlt.

Doch 1995 bot ihm Hussein eine Handfeuerwaffe als Geschenk an, aber Mahdi verweigerte die Annahme. Er habe dem Präsidenten gesagt, dass er niemals eine Waffe gehabt und auch keine Verwendung dafür hätte.

Nach Mahdis Schilderungen habe Hussein dies wortlos hingenommen. Doch sein Gesichtsausdruck machte deutlich, dass er Mahdis Entscheidung nicht nachvollziehen konnte. Aus Angst, dass der Diktator ihn töten würde, floh Mahdi aus seiner Heimat und ließ seine Frau mit den drei Kindern allein zurück.
Mahdi kehrte erst 2001 in seine Heimat zurück und eröffnete in Bagdad ein Fitness-Studio. Weil es Irakern damals nicht gestattet war, Gebäude und Geschäfte nach Ausländern zu benennen, nannte er sein Studio "Elegant’s Body" und nicht wie ursprünglich geplant "Arnold Classic". Dafür benannte er seinen zweiten Sohn nach seinem steirischen Vorbild.

Das Studio verzierte Mahdi mit einem riesigen Schwarzenegger-Poster. Daneben hing ein Schild mit der Aufschrift: "Keine Gespräche über Religion oder Politik erlaubt. Nur Sport!"

Kurz nachdem die US-Truppen in Bagdad einmarschierten und symbolträchtig die große Hussein-Statue niederrissen, nannte Mahdi sein Studio in "Arnold Classic" um. Wenig später wurde es von zwei LKW-Bomben schwer beschädigt.

Doch Mahdi verzweifelte nicht und reparierte alle Schäden so gut es ging. Trotz der anhaltenden Gefechte im Irak, richtete er jährlich einen Bodybuilding-Wettkampf zu Ehren seines großen Vorbildes aus. Im letzten Jahr traten 400 männliche Athleten auf die Bühne. Angesichts des großen Eifers, den der Iraker in sich trägt, darf man sich sicher sein, dass er dieses Jahr die Teilnehmerzahl noch einmal erhöhen wird.

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